Frakturen am Handskelett

Funktion des Handskelettes

Das Handskelett bildet das stabile Grundgerüst unserer Hände und setzt so die Grundvoraussetzungen für die hohe Funktionalität unserer Greiforgane. Bei Frakturen (Knochenbrüchen) am Handskelett ist diese Stabilität nicht mehr gewährleistet. Verlaufen Brüche durch Gelenke, kann es zu Stufen im Gelenk kommen. Werden diese Stufen nicht behoben, besteht ein grosses Risiko, dass sich an dieser Stelle das Gelenk vorzeitig abnützt und eine Arthrose entsteht. Brüche an der Hand bzw. den Fingern gehören zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt.

Ursachen für Frakturen am Handskelett

Die häufigste Ursache eines Knochenbruches ist eine grosse Krafteinwirkung, üblicherweise durch einen Sturz oder Schlag. Entsteht ein Knochenbruch ohne Unfall, spricht man von einer pathologischen Fraktur. Der Knochen bricht dabei schon bei geringen Belastungen. Ursache kann eine allgemeine Schwächung der Knochenstruktur (Osteoporose) oder eine lokale Schwachstelle (Zyste, Tumor) sein.

Symptome

Hauptsymptome sind Schmerzen, Schwellung, Bluterguss und eingeschränkte Beweglichkeit. Bei grösserer Dislokation können abnormale Beweglichkeit, Achsfehlstellung des Knochens oder herausstehende Knochenteile aus der Wunde (offene Fraktur) auftreten. Zusätzlich zur knöchernen Verletzungen treten immer mehr oder weniger ausgeprägte Weichteilverletzungen auf. Vor allem bei offenen Frakturen kann es auch zu Gefäss-, Sehnen- und Nervenverletzungen kommen.

Diagnose

Je nach Dislokation und Instabilität kann die Diagnose bereits klinisch gestellt werden. Immer wird mittels Röntgenbildern eine genaue Frakturbilanzierung durchgeführt. Lässt sich mit konventionellen Röntgenbildern eine vermutete Fraktur nicht sicher nachweisen, kann eine Computertomographie durchgeführt werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Das Ziel der Frakturbehandlung ist die Abheilung des betroffenen Knochens in korrekter Stellung. Hierzu muss die ursprüngliche Form des Knochens wieder hergestellt werden und dann mittels geeigneter Massnahme (Gips, Platte, Schrauben, Drähte etc.) in dieser Stellung fixiert werden, bis der Knochen wieder geheilt ist. Je nach Frakturlokalisation kann eine leichte Fehlstellung akzeptiert werden, ohne dass eine funktionelle Einbusse zu befürchten ist. Gelenkfrakturen hingegen müssen immer so anatomisch wie möglich eingerichtet werden, damit es nicht zu Fehlbelastungen und vorzeitiger Arthrose im Gelenk kommt.

Konservative Behandlung (ohne Operation)

Einfache, kaum verschobene Brüche können mit einer Schiene bzw. mit einem Gips behandelt werden. Allenfalls muss vor Gipsanlage in einer lokalen oder regionalen Betäubung der Bruch gerichtet werden. Die Ruhigstellung muss für vier bis sechs Wochen konsequent durchgeführt werden. Im Verlaufe dieser Zeit müssen Kontrollröntgen durchgeführt werden, um die Stellung der Knochen zu kontrollieren.

Operative Behandlung

Einige verschobene Brüche können zwar von aussen (geschlossen) wieder eingerichtet, aber nur schlecht mittels Gips fixiert werden. Diese Frakturen können mit Drähten, welche durch die Haut (percutan) eingebracht werden, fixiert werden. Ist eine geschlossene Einrichtung nicht möglich, muss der betroffene Knochen über einen Hautschnitt dargestellt, eingerichtet und fixiert werden. Hier kommen vor allem Schrauben und Platten zum Einsatz. Besteht ein grösserer Knochendefekt, kann es notwendig sein, von einer anderen Stelle des Körpers (zum Beispiel aus dem Beckenkamm) Knochen zu entnehmen und in den bestehenden Knochendefekt einzusetzen, um so die Stabilität zu erhöhen.

Vorteil der offenen Frakturbehandlung mit Verschraubung/Verplattung ist die stabile Fixation, die eine sofortige Mobilisation des betroffenen Gliedes ermöglicht. Insbesondere im Bereich der Fingerknochen kommt es aber nach Verplattungen häufig zu Verklebungen der Strecksehnen, die in einer zweiten Operation nach Knochenheilung gelöst werden müssen.

Nachbehandlung

Je nach Fixation und erreichter Stabilität kann sofort nach der Operation mit der Mobilisation begonnen werden oder muss zum Schutz noch eine Schiene oder ein Gips getragen werden. Praktisch immer wird im Verlauf der Nachbehandlung die Handtherapie eingeschaltet, um die Beweglichkeit möglichst rasch und vollständig wiederherzustellen. Eingebrachte Platten stören an der Hand relativ häufig und werden deshalb nach Abheilung des Knochens in einer zweiten Operation entfernt. Gleichzeitig können dann allfällige Sehnenverklebungen gelöst werden. Wenn die Platten und/oder Schrauben nicht stören, können sie im Knochen belassen werden.