​Behandlungsablauf

Eintritt

Nach einem Unfall mit Verbrennungen wird zwischen kleineren und grossen Verletzungen unterschieden.

Kleinere Verbrennungen

Mit kleineren Verbrennungen kann man sich auf dem Notfall des UniversitätsSpitals Zürich melden und wird dort von Fachspezialisten behandelt und aufgenommen.

Grössere Verbrennungen

Grössere Verbrennungen und Schwerbrandverletzte werden mit dem Rettungsdienst oder der REGA in unser Zentrum für Brandverletzte gebracht.

Die Anmeldung erfolgt in diesem Fall via Telefonzentrale (Tel. +41 44 255 11 11) auf den Sucher des diensthabenden Arztes der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie.

Behandlung

Erstbehandlung und Verbände

Als erstes reinigen wir die Verbrennungswunden. Gleichzeitig legen wir anhand der Verbrennungstiefe und der Wundausdehnung ein Therapiekonzept fest. Nach der Wundreinigung werden antimikrobielle Salben aufgetragen und ein Verband angelegt. In den ersten Tagen nach der Verbrennung sind tägliche Verbandswechsel notwendig. Wenn Gelenke betroffen sind, helfen Ihnen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten während dem Verbandswechsel mit passiven und aktiven Bewegungsübungen, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten oder weitmöglichst wiederherzustellen. Die Ärzte beurteilen bei jedem Verbandswechsel die Wunden und entscheiden über das weitere Vorgehen.

Chirurgische Verbrennungsbehandlung

Damit tiefere Verbrennungswunden erfolgreich heilen können, müssen die betroffenen Gewebeareale abgetragen werden, bis gesundes, gut durchblutetes Gewebe zum Vorschein kommt.

Hautverpflanzungen
Um den Heilungsprozess zu optimieren, die Narbenbildung zu verringern und die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, setzen wir verschiedene Techniken der Hauttransplantation ein. Dabei verwenden wir sowohl patienteneigene wie auch künstliche Haut.

Transplantation von Spalthaut

Bei dieser Hautverpflanzungsmethode entnehmen wir eine dünne Hautschicht, sogenannte Spalthaut, an einer gesunden Stelle und verpflanzen sie auf den vorbereiteten Wundgrund. Netzmusterartig vergrösserte Spalthaut-Transplantate werden häufig angewendet, um grössere Wunden abzudecken. Die Entnahmestelle heilt wie eine oberflächliche Schürfwunde spontan ab. Die verpflanzte Haut heilt in wenigen Tagen ein, sofern der Heilungsprozess
nicht durch eine Infektion, durch schwere Stoffwechselstörungen oder ungenügende  Ruhigstellung beeinträchtigt wird.

Transplantation von gezüchteten Hautzellen

Wenn Sie sehr ausgedehnte Verbrennungswunden haben, die über 50 % der Körperoberfläche ausmachen, transplantieren wir gezüchtete Hautzellen (Keratinozyten). Dafür entnehmen wir Ihnen ein briefmarkengrosses, gesundes Hautstück. Von diesem werden im Labor Hautzellen isoliert und als Zellkultur vermehrt. Mit dieser Methode können innerhalb von drei Wochen grosse Transplantate aus Ihren eigenen Hautzellen hergestellt werden, die dann auf den vorbereiteten Wundgrund gelegt werden. Die Behandlung nach der Keratinozyten-Transplantation ist ähnlich wie nach einer Spalthauttransplantation, es muss jedoch besonders sorgfältig mit der neuen, anfangs noch dünnen, leicht verletzbaren und infektionsanfälligen Haut umgegangen werden.

Hautersatz zur temporären Wunddeckung
Wenn der Allgemeinzustand nicht sehr gut ist oder es nicht möglich ist, genügend Spenderstellen zu finden, kann die Wunde leider nicht mit eigener Haut gedeckt werden. Um die frischen Wundflächen dennoch vor Infektionen zu schützen, um Flüssigkeit-, Salz- und Eiweissverluste einzuschränken und den Wundschmerz zu reduzieren, ist man auf eine vorübergehende Deckung mit einem Hautersatz (künstliche oder Spender-Haut) angewiesen. Sobald jedoch eine definitive Deckung mit Spalthaut oder Keratinozyten-Kulturen möglich ist, wird diese künstliche Haut ersetzt.

Physio- und Ergotherapie

Die Physio- und Ergotherapeuten begleiten Sie während des gesamten Spitalaufenthaltes und über diesen hinaus. Die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut ist verantwortlich für das körperliche Kräftigungsprogramm, das heisst für die Erhaltung und wenn möglich Verbesserung der Funktion des Bewegungsapparates, aber auch für die Stimulierung sämtlicher Organsysteme. Die Ergotherapeutin oder der Ergotherapeut befasst sich mit der Funktionserhaltung.

Kompressionsbehandlung

Bei der Spontanheilung tiefer Verbrennungen und nach Hautverpflanzungen können überschiessende, verdickte (hypertrophe) Narben entstehen, die sich zusammenziehen und eventuell zu einer eingeschränkten Gelenksbeweglichkeit führen. Die Schwere der Narbenbildung ist jedoch sehr individuell und in ihrem Ausmass nicht abschätzbar. Ein konstanter, gleichmässiger Druck durch massgeschneiderte Kompressionsbekleidung verringert das Entstehen von verdickten Narben und hilft, das kosmetische Resultat zu verbessern. Es ist wichtig, dass Sie gleich nach der Heilung der Verbrennungswunden mit der Kompressionstherapie beginnen. Der Druck soll während 24 Stunden am Tag erfolgen, also auch nachts.

Silikoneinlagen können helfen, den Druck in schwierig zu komprimierenden Körperregionen gleichmässig zu verteilen. Wichtig ist auch, dass Sie Ihre Haut durch tägliches Auftragen einer Fettsalbe gut pflegen. Es kann 12–24 Monate dauern, bis die anfänglich rötlich verfärbten und juckenden Narben soweit gereift sind, dass keine überschiessende Narbenbildung mehr befürchtet werden muss; so lange müssen Sie die Kompressionsbekleidung immer tragen. Das erfordert Geduld und Disziplin – wir zeigen Ihnen Wege, wie Sie dies umsetzen können.

Intensivstation

Intensivstation

Die hochspezialisierte Intensivstation verfügt über sechs Behandlungsplätze. Alle Patientenzimmer sind speziell klimatisiert und von der restlichen Abteilung isoliert, um die Übertragung von Keimen zu verhindern. Auf der Intensivstation werden Sie von einem kompetenten Behandlungsteam betreut, das Sie rund um die Uhr pflegt und überwacht.

Ein wesentliches Merkmal des Zentrums für Brandverletzte ist, dass es über eine eigene, in die Intensivstation integrierte Operationsabteilung verfügt. Diese besteht aus zwei miteinander verbundenen Einheiten: Einem Raum mit Badewanne und hydraulischem Patienten-Lift für die Wundreinigung unter sterilen Bedingungen sowie einem vollständig ausgerüsteten Operationssaal für die Entfernung der verbrannten Hautanteile und die Wunddeckung.

Bettenabteilung

Bettenabteilung

Die im Jahr 2008 renovierten Zimmer verfügen alle über ein eigenes Badezimmer mit Dusche und Toilette. Die Zimmer sind mit ein, zwei, drei oder vier Bettplätzen ausgestattet.

Ein fachkompetentes Pflegeteam betreut die Patientinnen und Patienten rund um die Uhr. Wir legen grossen Wert auf bestmögliche, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem ärztlichen und therapeutischen Bereich sowie dem Sozial- und Psychologischen Dienst.

In einem geräumigen Verbandszimmer können die aufwändigen Verbände angebracht werden. Für die Wundreinigung und Behandlung nach Verbrennungen steht eine spezielle Badewanne zur Verfügung.

Nachbetreuung

Sprechstunde

In unserer Verbrennungssprechstunde behandeln wir von der frischen Verbrennung bis hin zu Langzeitfolgen (Narben, Funktionseinschränkung) sämtliche funktionellen und ästhetischen Störungen in diesem Zusammenhang. In einer eigenen spezialisierten Pflegesprechstunde können wir auch unter Schmerzmittelgabe grössere Verbandswechsel während einer ambulanten Behandlung durchführen. Funktionelle Einschränkungen behandeln wir früh mit einem auf Verbrennungen spezialisierten Team von Physiotherapeuten.

Narbenbehandlung

In einer interdisziplinären Sprechstunde können wir Sie individuell beraten, welche Korrekturmöglichkeiten bestehen und ob eine konservative Behandlung durch Silikonpflaster oder die oberflächliche Anwendung von Narbenprodukten ausreichend sein kann.

In der Rekonstruktionsphase, das heisst nach Abheilung der Wunden, werden häufig Vollhauttransplantate und Lappenplastiken zur Behandlung von funktionseinschränkenden Narben angewendet. Bei der Vollhauttransplantation wird die Haut in ihrer ganzen Dicke an einer gesunden Spenderstelle, bevorzugt an der Leiste, entnommen und auf den vorbereiteten Wundgrund verpflanzt. Die entstandene Wunde wird entweder direkt vernäht oder mit Spalthaut abgedeckt. An speziellen Stellen, an denen z. B. Nerven, Gefässe, Knochen oder Knorpel freiliegen, führt man eine sogenannte gestielte oder freie mikrochirurgische
Lappenplastik durch.